Testspiel in Belfast
Färdder | 8. Juni 2005Das Unternehmen Belfast begann am Freitag nach der Arbeit, als ich mich von Nürnberg aus über London auf den Weg in den Norden Irlands machte. Die Nacht von Freitag auf Samstag verbrachte ich auf diversen Sitzbänken auf dem Flughafen von Heathrow, da ich wegen 6 Stunden kein teures englisches Hotel bezahlen wollte…mein Genick tut mir zwar heute noch weh, aber die 60 Pfund hab ich gespart!
Am nächsten Morgen dann gings weiter nach Belfast, wo ich gegen 8 Uhr ankam und mich gleich auf den Weg in die City machte. Dort angekommen gabs erstmal ein standesgemäßes Inselfrühstück und dann startete ich mein Kompaktsightseeingprogramm, welches mich im Schnelldurchgang an allen Sehenswürdigkeiten in Belfast vorbeiführen sollte. Eigentlich hätte ich mir auch Zeit lassen können, denn so viel gibts dort drüben nicht zu sehn. Die Titanic-Site (Werftgelände), den Hafen, einen Uhrenturm, ein Opernhaus, ein Gefängnis, diverse Pubs und einen Castle-Place ohne Schloss oder Burg, dafür aber mit Kaufhaus und Parkhaus. Als ich alles gesehn hab, was mein Reiseführer hergab, fuhr ich noch mit einem Sightseeinbus mit um mir den Rest zu geben. Danach ging ich etwas in einem Fish&Chipsladen essen und machte mich gegen 16 Uhr auf den Weg ins Stadion. Hier kamen mir auch schon viele andere Deutsche Fans entgegen, manche fragten nach Karten, ich hatte aber leider nur eine.
Am Weg zum Stadion kam ich an der Kneipe der South Belfast Northern Ireland Supporters vorbei, am Eingang war ein Schild “Visitors welcome” und über der Bar wehte eine Flagge von Nordirland, eine Verbandsflagge und eine Deutschlandflagge, die von vor 50 Jahren…Ich ging spassehalber mal rein, um nach dem Weg zu fragen, bekleidet mit D-Trikot, erst sah man mich an, dann fragte man mich, was ich wolle, ich bestellte ein Bier, erfragte den Weg und redete ein paar Sätze in meinem Schulenglisch mit dem Kneipenmann. Sehr freundliches Volk, absolut keine dummen Sprüche oder gar Agressionen! Hut ab!
Da ich nun den Weg kannte, ging ich weiter und kam dann irgendwann am Windsor Park an. Ich inspizierte die Gegend und stellte fest, daß das ganze in einem äußerst heruntergekommenen Viertel steht. Kleine Reihenhäuser, dicht bebaut, wenig grün, alles dreckig und jedes zweite Haus verlassen oder mit einem “To-Let”-Schild versehen…interessant ist auch, daß vor einigen Häusern Großbritannienflahnen gehisst sind und an anderen diese abgerissen wurden. Dies lässt auf die politischen Zustände in Nordirland deuten…
Als ich dann genug hatte von der Umgebung ging ich zum Stadion und traf dort auch schon andere Fans aus der Heimat und auch ein Fanstand wurde schon aufgebaut. Angeboten wurden hier Schals (auch Deutsche), Fahnen und der ganze sonstige Schnickschnack, welchen man auch vor unseren Stadien findet.
Ich stand nun dumm rum, wie die anderen auch, und dachte, daß man noch nicht ins Stadion rein kommt. Dann kam aber einer, der sagte, daß man schon rein könne, um Bilder zu machen oder Zaunfahnen aufzuhängen. Also nahm man das Angebot an und ging rein, machte seine Bilder, hing seine Banner auf und inspizierte den Block, ehe man von einem Ordner wieder aus dem Stadion komplimentiert wurde. Verabschiedet wurde man von einem deutschen Zivilbeamten (ja, auch die waren dort) mit den Worten “bleibt sauber…”. Anscheinend wirkte Slowenien noch nach.
Vor dem Stadion wartete man dann noch eine Zeit bis zum offiziellen Einlass vor den Eingangstoren. Kurz bevor es losging, fuhr noch die örtliche Polizei mit mehreren gepanzerten Jeeps vor (Hammerteile). Wieder innen ging ich dann wieder in den Block, das Stadion füllte sich nun langsam und immer mehr von uns Deutschen fanden den Weg hierher.
Vor dem Spiel wurden dann unser Block mit einigen Zäunen abgegrenzt und ein paar Cops in Aufruhrausrüstung sind einmarschiert…aber es passierte nix. Die Ordner übrigens waren sehr kooperativ und machten Bilder von den Fans, wenn man sie darum bittete oder halfen beim Aufhängen der Fahnen.
Das Rahmenprogramm gestaltete sich so, daß vor dem Spiel so eine Art Jahrhundertelf Nordirlands vorgestellt wurde, es handelte sich bei dem Spiel ja auch um das 125jährige Jubiläumsspiel. Zu bemerken ist vielleicht auch, daß ich von den ganzen Leuten, die dort unten auf dem Feld den Jubel und Ablaus des nordirischen Publikums erhielten, keinen einzigen kannte.
Als das dann vorbei war gings zu den Hymnen, die Deutsche wurde natürlich auch mitgesungen und die Nordirische wurde ignortiert. Keine Pfiffe kamen auf, dafür aber wilde MV-Raus-Rufe, die das ganze Spiel über zu hören sein sollten…MV stand bei den Hymnen unten bei den Mannschaften vor der Tribüne und hörte sich das Spektakel an. Was muss das für ein beschissenes Gefühl sein, aber es zwingt ihn ja keiner, sich das weiterhin anzutun…
Das Spiel selbst war am Anfang nicht so toll, D ging nach einem Elfer in Rückstand und zur Pause stand es nur 1:1. Der Stimmung tat dies aber keinen Abbruch, die war auf beiden Seiten gut. Es gab auf deutscher Seite die klassischen Anti-Briten-Gesänge und auch ein “Stand up, if You hate England” kam auf, aber die Nordiren sprangen darauf nicht an…Jedenfalls gewann D am Ende souverän mit 4:1.
Nach dem Spiel feierte man noch kurz sein Team und dann gings wieder raus aus dem Stadion. Blocksperre? Fehlanzeige! Man durfte sofort raus.
Vor dem Stadion und auf dem Weg zurück zum Busbahnhof begegneten sich die beiden Fanlager, Deutsche provozierten teilweise mit dem Singen der englischen Hymne, aber die Nordiren lies das kalt und alles blieb friedlich! Wie schon erwähnt, sehr gastfreundliche Leute da drüben.
Am Busbahnhof erfuhr ich dann, das dieser gegen 23 Uhr schliessen würde und somit war ich meiner Übernachtungsmöglichkeit beraubt! Kneipennacht war auch nicht, da die Pubs dort drüben gegen halb zwölf dicht machen. Ich entschloss mich somit, mit dem letzten Bus zum Flughafen zu fahren um dort zu nächtigen. Eigentlich flog mein Flieger am nächsten Tag vom anderen Airport ab, aber der Bus dorthin war schon weg…pech gehabt, aber am internationalen war es auch ganz nett. Ein paar Deutsche waren auch hier, nicht viele, denn die meißten flogen über Dublin. Ich ging am Flughafen noch in ein Pub, welches bis halb eins auf hatte, trank noch was, und suchte mir dann wieder ein ruhiges Plätzchen zum Übernachten.
Am nächsten tag dann fuhr ich wieder zurück zum anderen Flughafen und traf dort noch einen HSV-Fan, der in Regensburg wohnt und über München flog. Meine Reise lies ich dann schließlich bei meinem 6 stündigen Aufenthalt in London ausklingen und wandelte dort noch etwas übernächtigt durch den Hyde Park und hörte mir dort das Geschwafel am Speakers Corner an, ehe ich mich dann entgültig wieder auf meinen Weg in die Heimat machte. Gegen 22.30 kam ich dann wieder in Nürnberg an und ein absolut geiles (wenn man mal vom britischen Mistwetter absieht) Wochende fast ohne Schlaf mit einer Mischung aus Fußball und Sightseeing ging zu Ende.
Bilder von diesem Ausflug findest Du unter Fotos & Videos.









