Ausflug ins Nachbarland
Färdder | 26. März 2007Das Pragwochenende begann für mich schon am Freitag, als ich mich am Vorabend in Tirschenreuth mit drei Mitfahrern (Leipzig/Leipzig/Gladbach) traf. Nach einem geselligen Abend und einer Nacht in einem billigen, aber recht feinen Gasthaus fand man sich dann nach dem Frühstück am Abfahrtspunkt ein, wo schon ein paar weitere Mitfahrer und ca. 25 Kisten Hopfenkaltschale und andere Getränke warteten.
Nachdem der Bus da war, wurde der Getränkevorrat verstaut und sich ein Platz im noch leeren Bus ausgesucht. Nach den Zusteigestopps in Tirschenreuth, Floß und Vohenstrauß war der Doppeldecker dann mit ca. 65 Mann gut gefüllt und man stellte die allgemeine Kommunikation von Deutsch auf Oberpfälzisch um, was für einen Franken wie mich doch eine Gewisse Umstellung bedeutet. Am letzten Stopp vor der Grenze stieg dann auch ein alter Bekannter, Tobi S. aus M-H (oberpfälzer HSV-Dauerkarteninhaber), mit ein.
An der Grenze ging es recht schnell, ca. 20 Minuten dauerte die routinemäßige Überprüfung durch die in schwarz gekleideten Grünlinge. Nachdem man die Prozedur hinter sich gebracht hatte und sich im Tschechenland befand, wurde erstmal der erst beste Rasthof für einen Zwischenstopp genutzt. Es dauerte hier nicht lange, da wurde man auch schon von einem Trupp tschechischer Bereitschaftspolizisten belästigt. Die waren allerdings umsonst da - es gab keine Arbeit für sie… Nach einem weiteren Stopp kamen wir dann gegen 13.00 Uhr in Prag an, wo wir uns erstmal verfuhren. Als das Stadion dann doch gefunden wurde, wurden erstmal die Kartengutscheine in echte Karten umgetauscht und die bestellte, bereits wartende Stadtführerin mit eingepackt, ehe es dann wieder weiter ging.
Auf der Stadtrundfahrt kamen wir am mit ca. 240000 Plätzen angeblich größten Stadion der Welt vorbei, schauten uns die Villa vom besten tschechischen deutschsprachigen Sänger, Karel Gott, aus der Ferne an und bekamen das 8. teuerste Hotel der Welt zu sehn. Nachdem man in Bahnhofsnähe den Bus verlassen hatte, ging es quer durch die City an den bedeutensten Bauwerken vorbei, immer der Stadtführerin nach, bis man dann die reservierte Gaststätte erreichte. Tobi und ich zogen es allerdings ab hier vor, die City weiterhin zu Fuß zu erkunden und uns von der Gastfreundschaft der Tschechen uns Deutschen gegenüber zu überzeugen (Achtung: IRONIE!). Das erste Highlight diesbezüglich war an nem Bratwurststand, wo man anstatt der angeschriebenen 40 Kronen von uns 50 Kronen haben wollte. Auf dem Weg durch die Stadt kamen uns neben weiteren äußerst abweisenden Tschechen immer wieder auch andere Deutsche entgegen, insgesamt merkte man schon, daß heute noch ein Länderspiel anstand. Die befürchteten Ausschreitungen blieben jedoch aus, nur paar kleinere Zwischenfälle wurden später vermeldet.
Mehr oder weniger planlos machten wir uns dann nach unserer Besichtigungstour auf den Weg ins Stadion, welches wir dann per Straßenbahn und unauffälliger Verfolgung von zwei mit Tschechentrikot gekleideten Leuten letztendlich auch fanden. Am Stadion selbst war zu der Zeit schon einiges los, Fans, Antifans, kartensuchende Deutsche und Tschechen und natürlich ein enormes, hochgerüstetes Polizeiaufgebot. Auf dem Parkplatz liefen uns dann doch noch drei freundliche Tschechen über den Weg, die uns selbstgebrannten Schnaps aus ner kleinen Mineralwasserplastikflasche anboten und uns, wohl stellvertretend für alle Deutschen, für die perfekte Organisation der WM lobten…das letztjährige Großereignis scheint tatsächlich positive Spuren hinterlassen zu haben. Am Einlass gab es dann kurzzeitig etwas Aufregung, als paar Kartenlose versucht haben, sich alternativ Zugang zum Stadion zu verschaffen, dies wusste die Polizei jedoch zu verhindern. Die Kartenlosen wurden erstmal von der Polizei neben dem Eingang festgesetzt, weil einfach zurück ging aufgrund der Enge der Gasse auch nicht. Was weiterhin mit Ihnen geschah? Keine Ahnung. Wir gingen dann erstmal zum Wurststand und gönnten uns ne tschechische Currywurst…was bedeutet: fettige Wurst, Scheibe Brot und Senf, bäh…
Vor dem Block liefen mir dann noch die Freiburger und andere bekannte Gestalten übern Weg, wie immer die selben Nasen vor Ort.
Beim Spiel selbst war die Stimmung anfangs nicht schlecht, eppte dann aber etwas ab. Erst mit den beiden Toren kam wieder mehr Gesang auf. Das übliche Repertoir wurde von den geschätzten 2000 Deutschen aufgeboten: Nationalhymne mehrmals beim Spiel, „Deutschland, Deutschland“, Mexiko und anderes Liedgut waren zu hören. Von tschechischer Seite kam wenig, erst nach dem Anschlusstreffer wurden die nochmals laut, was aber auch nix half. Deutschland gewann am Ende verdient mit 2:1. Nach dem Spiel kam, wie erwartet, die übliche Blocksperre, welche etwa 30 Minuten dauerte und Zeit für allerlei Blödsinn lieferte. Ein Flitzer wagte den Sprung über Zaun und fungierte als Anheizer, zur Belustigung der im Block Ausharrenden. Während der Blocksperre wurde nochmals mit voller Stimmgewalt zugeschlagen, das gesamte verfügbare Liedgut schallte durchs mittlerweile leere Stadion. Auch ein neuer Kultgesang wurde geboren: „So gehen die Deutschen und die Deutschen gehen so…“ wurde laut wiedergegeben und anschließend leise in geduckter Stellung selbiger Text mit den Tschechen. Dies wird wohl auch bei unseren nächsten Reisen angestimmt werden.
Irgendwann durfte man dann endlich raus. Schnell war man wieder zurück auf dem Busparkplatz, immer begleitet von der Polizei. Es blieb jedoch auch nach dem Spiel alles ruhig, jedenfalls rund ums Stadion. Kein wunder, die Tschechen waren ja schon alle abgezogen. Was später in der Stadt war, weiß ich nicht. Kann aber nichts schlimmeres passiert sein, die Zeitung mit den vier Buchstaben und diverse sensationsgeile Unterschichtensender haben am Sonntag schließlich nichts vermeldet.
Fazit: Insgesamt sehr gelungene Fahrt. Leider, aufgrund der geringen Stadionkapazität, etwas wenig Deutsche. Danke an Andre für die Organisation der Fahrt!
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